Art. 0016 Rev. 1789

Doldenblütler

Inhaltsverzeichnis
  1. Taxonomie
  2. Beschreibung
  3. Nutzpflanzen
  4. Giftpflanzen
  5. Silphium
  6. Siehe auch
  7. Einzelnachweise

„Umbelliferae“ leitet hierher weiter. Für den Blütenstand, der der Familie ihren Namen gab, siehe Dolde. Für die Gattung der Bärenklau-Arten, siehe Heracleum.

Die Doldenblütler (Apiaceae), auch Umbelliferae oder Möhrengewächse genannt, sind eine Familie der Blütenpflanzen aus der Ordnung der Doldenblütlerartigen. Ihre Vertreter sind meist aromatische Kräuter, oft mit hohlem Stängel, gewöhnlich mit geteilten Blättern, deren Stiele den Stängel an der Basis scheidenartig umfassen. Ihre Blüten stehen typischerweise in zusammengesetzten Dolden, und die trockene Frucht zerfällt in zwei Hälften mit je einem Samen.123 Kews World Checklist of Vascular Plants akzeptiert 457 Gattungen und 4.028 Arten, wobei andere veröffentlichte Zählungen stark voneinander abweichen.4 Die Familie wächst weltweit und ist in den gemäßigten Regionen der Nordhalbkugel am artenreichsten.1

Die Familie ernährt und vergiftet zugleich: Eine Flora des Irak nennt sie „von erheblicher wirtschaftlicher Bedeutung“, mit tödlichen Giften ebenso wie Nahrungspflanzen unter ihren Arten.5 Sie liefert Gemüse wie Karotte, Pastinak und Sellerie sowie Kräuter und Gewürze wie Petersilie, Dill, Fenchel, Koriander, Kreuzkümmel, Kümmel und Anis;2 allein das chinesische Festland baut etwa zwei Fünftel der weltweiten Karotten und Speiserüben an.6 Zu ihr gehören auch der Gefleckte Schierling, dessen Alkaloide Nervengifte sind,7 die Wasserschierlinge, die zu den giftigsten Pflanzen Nordamerikas und des Vereinigten Königreichs zählen,8 sowie der Riesen-Bärenklau und die Wilde Pastinake, deren Berührung die Haut verbrennt, sobald sie danach dem Sonnenlicht ausgesetzt wird.910

Silphium, eine verschwundene Pflanze des antiken Kyrenaika mit einem Stängel wie der des Riesenfenchels, wurde mit mehreren Doldenblütlern gleichgesetzt, jedoch mit keinem davon sicher.111213 Sein Saft wurde, Plinius zufolge, gegen Silber aufgewogen. Zu seiner Zeit, im ersten Jahrhundert nach Christus, war die Pflanze in Kyrenaika nicht mehr zu finden, und eine Übersichtsarbeit von 2026 nennt ihr Verschwinden den ersten Fall menschenbedingten Pflanzenaussterbens in der schriftlichen Überlieferung.1415

Taxonomie

Größe

Die Zählungen der Familie unterscheiden sich je nach Quelle. Die World Checklist of Vascular Plants akzeptiert in ihrer Version vom 4. Juni 2026 457 Gattungen, davon zwei Hybridgattungen, und 4.028 Arten, davon 21 benannte Hybriden.4 Am 26. September 2026 gab Plants of the World Online, Kews Webseite, die die Checklist präsentiert, auf ihrer Familienseite 456 Gattungen an, über ihren Suchdienst dagegen 458 Gattungen und 4.001 Arten.16 Andere veröffentlichte Schätzungen reichen von 2.850 bis 3.820 Arten und von „mehr als 200“ bis 466 Gattungen.17118

Veröffentlichte Zählungen von Gattungen und Arten
QuelleGattungenArten
World Checklist of Vascular Plants (2026)4574.028
Plants of the World Online (2026)456 oder 4584.001
Kew Temperate Plant Families Identification Handbook (2023)ca. 4663.820
Clarkson et al. (2021)466–
Christenhusz & Byng (2016)ca. 442ca. 3.575
Neotropikey (seit 2009)428–4343.500–3.780
Trees of New Guinea (2022)434ca. 3.800
Flora of Iraqüber 2003.000
Flora of the Cayman Islands (2012)mehr als 2002.850
Quellen: World Checklist;4 Plants of the World Online;16 das Kew-Handbuch,1 Neotropikey,2 Trees of New Guinea,19 Flora of Iraq5 und Flora of the Cayman Islands,17 zitiert nach Plants of the World Online; Clarkson et al.;18 Christenhusz & Byng.20

Die größten Gattungen der World Checklist sind Eryngium (265 Arten), Ferula (231) und Bupleurum (225); die Bärenklau-Arten, Heracleum, zählen 93.4 Ein Aufsatz von 2025 nennt dennoch Ferula die größte Gattung der Familie.21

Einordnung

Die Klassifikation der Angiosperm Phylogeny Group, APG IV (2016), stellt die Apiaceae in die Ordnung Apiales, in die Campanuliden-Klade der Asteriden, zusammen mit Pennantiaceae, Torricelliaceae, Griseliniaceae, den Klebsamengewächsen (Pittosporaceae), den Araliengewächsen (Araliaceae) und Myodocarpaceae. APG IV nummeriert seine 416 Familien in einer einzigen Abfolge, und Apiaceae steht an letzter Stelle.22 Die Grenze zu den Araliengewächsen war lange unscharf: Molekulare Arbeiten verschoben Hydrocotyle von den Apiaceae zu den Araliaceae, und die Mackinlaya-Gruppe in die Gegenrichtung.223 Apiaceae sind gewöhnlich Kräuter ohne Nebenblätter, mit einer trockenen, zweigeteilten Frucht; Araliaceae sind gewöhnlich Sträucher und Bäume mit Nebenblättern, mit einer beerenartigen Steinfrucht.2

Unterfamilien

Derzeit werden vier Unterfamilien anerkannt: Apioideae, Saniculoideae, Azorelloideae und Mackinlayoideae, die beiden letzten 2004 benannt.1824 Apioideae, die größte, umfasst etwa 400 Gattungen und 3.000 Arten, darunter Karotte, Petersilie, Kreuzkümmel, Koriander und Kümmel.2526 Die alte Unterfamilie Hydrocotyloideae hat sich aufgelöst: 40 ihrer 42 Gattungen wurden 2009 untersucht und fielen in mindestens sechs Linien innerhalb der Apiaceae und Araliaceae; ihre Typusgattung, Hydrocotyle, gehört zu den Araliaceae.23 Eine Studie von 2021, die 234 Gattungen sequenzierte, bestätigte die vier Unterfamilien und fand, dass Platysace die Schwestergruppe aller übrigen Apiaceae ist.18

Namen

Die Familie hat zwei korrekte Namen. Umbelliferae Juss. wurde in den Genera Plantarum veröffentlicht, datiert auf den 4. August 1789, und Apiaceae Lindl. in der zweiten Auflage der Introduction to the Natural System of Botany, datiert auf den 13. Juni 1836. Beide sind konserviert.1622

Der botanische Code, der International Code of Nomenclature for algae, fungi, and plants, bildet den Namen einer Familie aus dem einer ihrer Gattungen mit der Endung -aceae, „aber siehe Art. 18.5“. Jener Artikel erklärt neun traditionelle Namen „von langem Gebrauch“ für gültig veröffentlicht, obwohl sie nicht auf diese Weise gebildet sind, und Art. 18.6 genehmigt als Alternativen acht Namen, die regulär aus einer Gattung gebildet sind, die nomina alternativa.2722 Die Alternative zu Umbelliferae ist Apiaceae, von Apium, der Gattung des Selleries, die der Typus beider Namen ist; weitere solche Paare sind Compositae und Asteraceae (Korbblütler), Gramineae und Poaceae (Süßgräser) sowie Leguminosae und Fabaceae (Hülsenfrüchtler), eine Alternative, die sich Leguminosae mit Papilionaceae (Schmetterlingsblütler) teilt.274

Im Code ist demnach Apiaceae die Alternative; in APG IV, das Apiaceae verwendet, erscheint stattdessen Umbelliferae in Klammern als die Alternative. APG IV, die erste Liste seiner Reihe, die sie abdruckte, merkte an, dass die Royal Botanic Gardens, Kew, Compositae und Leguminosae zwar offiziell befürworten, aber Apiaceae verwenden, nicht Umbelliferae.22

Umbelliferae bedeutet „dolde tragend“, von lateinisch umbella, „Sonnenschirm“ oder „Schirmchen“, einer Verkleinerungsform von umbra, „Schatten“, und -fer, von fero, „ich trage“.32829 Apium war das lateinische Wort für Petersilie oder Sellerie.28

Beschreibung

Doldenblütler sind meist aromatische Kräuter; Halbsträucher, Sträucher und Bäume sind selten, und in Neuguinea ist Mackinlaya die einzige Gattung, die Bäume bildet.119 Die Stängel sind zwischen den Knoten oft hohl, wo ein großes Mark beim Reifen des Stängels schrumpft.15 Die Blätter stehen gewöhnlich wechselständig und sind zusammengesetzt oder tief geteilt; der Blattstiel umfasst den Stängel an der Basis meist scheidenartig, und Nebenblätter fehlen gewöhnlich.12

Der Blütenstand ist typischerweise eine zusammengesetzte Dolde, deren Strahlen jeweils in einer kleineren Dolde enden, dem Döldchen; seltener ist es eine einfache Dolde, ein Köpfchen wie bei Eryngium, oder eine Trugdolde.1526 Die Blüten sind meist zwittrig und nach dem Bauplan der Fünfzahl gebaut, mit einem unterständigen Fruchtknoten aus zwei Fruchtblättern. Die Griffelbasen sind oft zu einem nektarabsondernden Griffelpolster (Stylopodium) verdickt, und die äußeren Blüten einer Dolde können vergrößert oder „strahlend“ sein.15

Der Flora des Irak zufolge sind die Blütenstände oft „polygam“: Die Enddolde ist gewöhnlich zwittrig oder gemischt, und die seitlichen Dolden sind rein männlich oder gemischt.5 Beim Riesen-Bärenklau trägt die Enddolde gewöhnlich nur zwittrige Blüten, und die Dolden vierter Ordnung gewöhnlich nur männliche; siehe Dolde § Arbeitsteilung.30

Dolden, die eine einzelne Blüte nachahmen, sogenannte Pseudanthien, entstanden in der Unterfamilie Apioideae mindestens 36-mal, mit 46 Umkehrungen.26 Viele Doldenblütler mit gewaltigen Blütenständen, etwa Ferula, Heracleum und Angelica, sind monokarpische Stauden: Nach mehreren Jahren des Wachstums blühen sie einmal im Leben, mit Zehntausenden Einzelblüten. Solche Blütenstände, so die Autoren der Studie, erfordern viele Ressourcen und sind „kaum nachhaltig“.26

Die Frucht ist eine trockene Spaltfrucht, manchmal Kremokarp genannt, aus dem Griechischen für „ich hänge“ und „Frucht“. Sie zerfällt in zwei Merikarpien mit je einem Samen und gewöhnlich fünf Hauptrippen, die geflügelt, korkig oder stachelig sein können.153 Bei Reife bleiben die Hälften oben an einem dünnen, oft gegabelten Stiel hängen, dem Karpophor.31 Ölkanäle, die vittae (lateinisch für „Bänder“), auf Deutsch Ölstriemen, verlaufen zwischen und unter den Rippen sowie auf der Innenseite; sie sind verbreitet, aber nicht überall vorhanden.3153

Doldenblütler bilden flüchtige Phenylpropanoide, Furocumarine, Sesquiterpencumarine, Polyacetylene und Phthalide, einige davon aus keiner anderen Familie bekannt.32 Unter den Polyacetylenen sind die vom Falcarinol-Typ am weitesten verbreitet; sie kommen in Karotte, Knollensellerie, Pastinak und Petersilie vor und wirken antibakteriell und fungizid;3334 verwandte, stark neurotoxische Verbindungen kennzeichnen die giftigen Gattungen Bupleurum, Cicuta und Oenanthe.35

Nutzpflanzen

Kulturpflanzen

Die meisten Kulturpflanzen der Familie stammen aus dem Mittelmeerraum und werden heute weltweit angebaut. Neotropikey nennt Petersilie, Fenchel, Dill, Koriander, Kreuzkümmel, Kümmel und Anis unter den Kräutern und Gewürzen, und Karotte, Pastinak und Sellerie unter dem Gemüse.218 In der Neotropis wird der Lange Koriander, Eryngium foetidum, als Ersatz für Koriander verwendet.2

Kulturpflanzen der Doldenblütler und ihre akzeptierten Namen
KulturpflanzeAkzeptierter Name
KarotteDaucus carota subsp. sativus (Hoffm.) Schübl. & G.Martens
PastinakPastinaca sativa L.
Sellerie, KnollensellerieApium graveolens L.
PetersiliePetroselinum crispum (Mill.) Fuss
DillAnethum graveolens L.
FenchelFoeniculum vulgare Mill.
KorianderCoriandrum sativum L.
KreuzkümmelCuminum cyminum L.
KümmelCarum carvi L.
AnisPimpinella anisum L.
LiebstöckelLevisticum officinale W.D.J.Koch
Arznei-EngelwurzAngelica archangelica L.
AsafoetidaFerula assa-foetida L.
ZuckerwurzelSium sisarum L.
ArracachaArracacia xanthorrhiza Bancr.
Langer KorianderEryngium foetidum L.
Namen, akzeptiert in der World Checklist of Vascular Plants im September 2026.4

Erzeugung

FAOSTAT, die statistische Datenbank der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation, führt keine eigene Position für Karotten allein. Sie zählt Karotten zusammen mit Speiserüben, die keine Doldenblütler sind, und hat keine eigenen Positionen für Sellerie oder Petersilie; ihre Gewürzposition für Anis, Koriander, Kreuzkümmel, Kümmel und Fenchel schließt auch Sternanis und Wacholderbeeren ein.6 2024, dem jüngsten Jahr, erzeugte die Welt schätzungsweise 45,1 Millionen Tonnen Karotten und Speiserüben auf 1,27 Millionen Hektar, 7,7-mal so viel wie 1961 und etwa 3,8 Prozent der weltweiten Gemüse-Primärerzeugung.6

Die Erzeugung konzentriert sich auf wenige Länder. Das chinesische Festland erzeugte 2024 19,0 Millionen Tonnen Karotten und Speiserüben, 42 Prozent der Weltmenge, gefolgt von Usbekistan mit 7,9 Prozent und Indien mit 6,1 Prozent.6 Indien erzeugte 2,11 der 2,67 Millionen Tonnen in der Gewürzposition, 79 Prozent.6

Größte Erzeuger von Karotten und Speiserüben, 2024
LandTonnenAnteil an der Welt
China, Festland19.040.46842,2%
Usbekistan3.566.9317,9%
Indien2.776.3326,1%
Russische Föderation1.383.1553,1%
Vereinigte Staaten1.123.3222,5%
Welt45.149.160100%
FAOSTAT-Position 0426, „Karotten und Speiserüben“. Die Zahlen für China und die Welt sind Schätzwerte, und die für Russland ist rechnerisch ergänzt; die Anteile sind aus den Tonnagen berechnet.6

Die orangefarbene Karotte

Die Karotte wurde vermutlich in Zentralasien domestiziert, woher auch die den Kulturformen nächstverwandten Wildkarotten stammen.36 Die europäische Züchtung begann mit violetten und gelben Karotten aus der arabischen Welt. Orangefarbene Karotten entstanden vermutlich durch Mutation aus gelben und dann durch Auslese, und man „nimmt allgemein an“, dass sie aus den Niederlanden stammen; bis zum siebzehnten Jahrhundert hatten sie die violetten Formen in Europa und im Mittelmeerraum verdrängt.37 Die Angaben zur Zeit gehen auseinander: Banga führte die moderne orangefarbene Karotte auf niederländische Züchtung des achtzehnten Jahrhunderts zurück, das World Carrot Museum auf niederländische Anbauer des sechzehnten.3738

Die Geschichte, die Niederländer hätten die orangefarbene Karotte gezüchtet, um Wilhelm von Oranien zu ehren, ist eine Legende. Das World Carrot Museum, geführt von John Stolarczyk, nennt sie „wahrscheinlich apokryph“ und sagt, es gebe dafür keinen dokumentarischen Beleg. Dieselbe Seite zitiert den Historiker Simon Schama für eine spätere Assoziation: Im achtzehnten Jahrhundert wurde die auffällige Zurschaustellung orangefarbener Karotten auf dem Markt zeitweise als „eine provokante Geste der Unterstützung“ für das verbannte Haus Oranien gedeutet.38 Carrot ist im Englischen seit den 1670er Jahren ein Farbwort, zunächst für rötliches Haar.29

Die Karotte im Krieg

Im Zweiten Weltkrieg bewarb das britische Ernährungsministerium die Karotte. Seine Kampagne „Dig for Victory“ setzte zwei Zeichentrick-Maskottchen ein, Doctor Carrot und Potato Pete, und laut Stolarczyk ermutigte das Ministerium so sehr zum zusätzlichen Anbau, dass das Land 1942 einen Überschuss von 100.000 Tonnen Karotten hatte.39 Der Disney-Zeichner Hank Porter entwarf eine eigene Karottenfamilie, Carroty George, Pop Carrot und Clara Carrot, doch die Regierung verbreitete sie nicht in großem Umfang. Da Zucker auf acht Unzen pro Erwachsenem und Woche rationiert war, süßten Karotten Puddings, Kuchen und Marmelade und kamen zusammen mit Kohlrüben in ein Getränk namens „Carrolade“. Lord Woolton, der Ernährungsminister, nannte es einen „Ernährungskrieg“, in dem jede zusätzliche Gemüsereihe im Schrebergarten Schiffsraum sparte.39

Sellerie als Luxus

Im antiken Griechenland krönten Kränze aus selinon, Wildsellerie oder Petersilie, die Sieger der Isthmischen und Nemeischen Spiele. Solche Kränze wurden auch an Gräbern aufgehängt, und von einem Schwerkranken hieß es, er „brauche selinon“, was bedeutete, dass er dem Tod nahe war.4028 Das Wildsellerie-Blatt war ein redendes Wappenzeichen auf den Münzen von Selinunt auf Sizilien.41

Das Wort celery kam in den 1660er Jahren als „sellery“ ins Englische, aus dem Französischen céleri, ursprünglich sceleri d’Italie.29 1699 schrieb John Evelyn, „Sellery“, zuvor „bei uns ein Fremdling“, sei wegen seines „hohen und angenehmen Geschmacks“ „stets in die Mitte des großen Salats gestellt worden, an den Tafeln unserer großen Männer und den Festmählern der Prätoren, als Zierde der ganzen Tafel“.42 Das Metropolitan Museum of Art besitzt eine amerikanische Selleriervase aus gepresstem Glas, datiert auf 1840–50.43

Giftpflanzen

Gefleckter Schierling

Der Gefleckte Schierling, Conium maculatum, verdankt seine Giftigkeit Piperidin-Alkaloiden, vor allem Coniin und γ-Conicein, dem giftigeren der beiden und dem zuerst gebildeten. Sie kommen in allen vegetativen Organen, den Blüten und der Frucht vor und haben einen charakteristischen „mäuseartigen“ Geruch.744 Es sind Neurotoxine: Der Tod tritt durch Atemversagen ein, auf eine an Kurare erinnernde Weise, und chronische Aufnahme durch trächtige Nutztiere verursacht Fehlbildungen des Fötus.7 Coniin, das nikotinische Acetylcholinrezeptoren blockiert, war das erste Alkaloid, dessen Struktur aufgeklärt und das synthetisiert wurde. Giseke isolierte es 1826, Hofmann klärte seine Struktur 1881 auf, und Ladenburg synthetisierte es 1886.45

Der Tod des Sokrates

Sokrates starb 399 v. Chr., und Platon beschreibt seinen Tod im Phaidon.4645 Der Mann, der „den Becher mit dem Gift“ bringt, sagt ihm, er solle umhergehen, bis seine Beine schwer würden, und sich dann hinlegen. Als Sokrates fragt, ob er aus dem Becher ein Trankopfer spenden dürfe, lautet die Antwort: „Wir bereiten nur so viel, Sokrates, wie wir für ausreichend halten.“ Später drückt der Mann auf seinen Fuß und sein Bein, die alles Gefühl verloren haben, „und so weiter aufwärts und aufwärts“, bis er kalt und starr ist. Sokrates’ letzte Worte betreffen eine Schuld: „Kriton, wir sind dem Asklepios einen Hahn schuldig; entrichtet ihn und versäumt es nicht.“47 Im Griechischen dieser Szene heißt das Mittel nur to pharmakon, „das Mittel“ oder „das Gift“, schon zermahlen gebracht; das Wort für Schierling, kōneion, kommt darin nicht vor.47

Ob Platon eine Schierlingsvergiftung wahrheitsgetreu beschrieb, ist umstritten. Dayan argumentierte 2009, die von den Füßen aufsteigende Lähmung sei typisch für Schierling, der auffällige Gefühlsverlust jedoch nicht, und Platon, der weder schlechten Geschmack noch Magen-Darm-Beschwerden erwähne, habe womöglich eine „edlere“ Darstellung gegeben;46 2024 kam er zu dem Schluss, eine genaue Lektüre des griechischen Textes löse viele der Widersprüche auf, und der Tod könne als begrenzter Fallbericht einer Schierlingsvergiftung akzeptiert werden.48 Hotti und Rischer vermuten, der Trank könne eine Mischung gewesen sein, etwa aus Schierling und Opium.45

Schierling in Athen und auf Keos

Als Phokion 318 v. Chr. in Athen hingerichtet wurde, war der Henker gerade dabei, den Schierling zu zerreiben. Das Mittel ging zur Neige, und er weigerte sich, mehr zu zerreiben, sofern man ihm nicht zwölf Drachmen zahle, „was der Preis für das benötigte Gewicht war“; Phokion fragte, „ob man in Athen nicht einmal sterben könne, ohne für dieses Vorrecht zu bezahlen“, und ließ einen Freund zahlen.49

Theophrast berichtet, Thrasyas von Mantineia habe aus den Säften von Schierling, Mohn und anderen solchen Kräutern in sehr geringer Dosis ein Gift für „ein leichtes und schmerzloses Ende“ hergestellt. Die Bewohner von Keos, fügt er hinzu, hätten ihre Art, Schierling einzunehmen, geändert: Sie streiften nun die Hülse ab, zerstießen ihn im Mörser, siebten ihn und tranken ihn, auf Wasser gestreut, „und so wird der Tod schnell und leicht gemacht“.50 Laut Strabon, der Menander zitiert, soll ein altes Gesetz von Keos verfügt haben, „dass über Sechzigjährige gezwungen werden sollten, Schierling zu trinken, damit für die Übrigen genug Nahrung übrig bliebe“.51

Wasserschierlinge

Das Poisonous Plant Research Laboratory des US-Landwirtschaftsministeriums nennt den Wasserschierling „die heftigst giftige Pflanze, die in Nordamerika wächst“. Schon eine kleine Menge vergiftet Nutztiere oder Menschen; sein Gift, Cicutoxin, wirkt direkt auf das zentrale Nervensystem als heftiges Krampfgift; und die knolligen Wurzeln sind der gefährlichste Teil.52 Eine klinische Übersichtsarbeit, die Arten sowohl von Cicuta als auch von Oenanthe als Wasserschierlinge zählt, ist zurückhaltender und zählt sie zu „den giftigsten Pflanzen“ Nordamerikas und des Vereinigten Königreichs. Cicutoxin und Oenanthotoxin sind keine Alkaloide, sondern C17-Polyacetylene, die GABA-Rezeptoren blockieren und Krampfanfälle auslösen.8

Safranrebendolde

Die Safranrebendolde, Oenanthe crocata, wurde „wahrscheinlich die giftigste Pflanze der Britischen Inseln“ genannt. Ihre Wurzeln sind der giftigste Teil und werden irrtümlich für andere Wurzeln gegessen.53 Eine Übersichtsarbeit von 2020 nennt sie und Cicuta virosa die beiden giftigsten Pflanzen der britischen Flora, beide dem Sellerie und der Petersilie ähnlich.54

Sie wurde mit dem sardonischen Grinsen in Verbindung gebracht. Pausanias schreibt, Sardinien sei frei von Giften bis auf eine Pflanze: „Dieses tödliche Kraut gleicht dem Sellerie, und man sagt, wer davon isst, sterbe lachend. Daher nennen Homer und die Menschen nach ihm ungesundes Lachen sardonisch.“55 Homers Wort ist sardanion, gebraucht für das „recht grimmige und bittere Lächeln“ des Odysseus, als er einem nach ihm geworfenen Rinderhuf ausweicht.56

2009 fanden Appendino und Kollegen, dass Oenanthotoxin und Dihydro-Oenanthotoxin, isoliert aus der sardischen O. fistulosa, GABA-evozierte Ströme stark blockieren. Sie schlossen, es gebe kaum Zweifel, dass die herba sardonica der antiken Medizin O. crocata sei, die im Mittelmeerraum nur auf Sardinien häufig vorkommt, und dass der von ihr verursachte Gesichtskrampf der risus sardonicus gewesen sei. Sie berichten zudem die antike Überlieferung, dass im vorrömischen Sardinien alte Menschen, die sich nicht mehr selbst versorgen konnten, mit dem Kraut berauscht und dann von einem hohen Felsen gestürzt oder totgeschlagen wurden.57 Sowohl das Wort als auch die Pflanze sind umstritten. Liddell und Scotts Lexikon verbindet Homers sardanios möglicherweise mit sesērōs, „grinsend“, und merkt an, dass die Schreibung sardonios, nach Sardinien, jünger ist; es bestimmt die sardische Pflanze der antiken Erklärung als Ranunculus sardous, den Sardischen Hahnenfuß, einen Hahnenfuß und keinen Doldenblütler.40

Phototoxische Mitglieder

Mehrere Doldenblütler enthalten Furocumarine, Verbindungen, die die Haut im Sonnenlicht verbrennen lassen, eine Reaktion namens Phytophotodermatitis. Furocumarine kommen vor allem in vier nicht miteinander verwandten Familien vor, Apiaceae, Fabaceae, Moraceae und Rutaceae, und ihr Biosyntheseweg entwickelte sich in mehreren von ihnen unabhängig; die angulären Furocumarine finden sich vor allem in Apiaceae.5859 Als Berenbaum feststellte, dass eines von ihnen, Xanthotoxin, für Raupen giftig ist, und ohne ultraviolettes Licht weniger, deutete sie es als „biosynthetische Flucht“ vor pflanzenfressenden Insekten; siehe auch Pastinakmotte.60

Kontakt mit Riesen-Bärenklau, gefolgt von Sonnenlicht, kann bei beruflich Exponierten Blasen und dauerhafte Hyperpigmentierung verursachen, und bei einem Kind verursachte er eine Verbrennung dritten Grades, die eine Hauttransplantation nötig machte.961 Die Wilde Pastinake, als Wurzelgemüse nach Nordamerika eingeführt, wächst dort inzwischen wild auf Prärien und an Straßenrändern; ihre Stängel und Blätter enthalten Furocumarine, und Kontakt, gefolgt von Sonnenlicht, verursacht Blasenbildung und danach Hyperpigmentierung.10

Auch Sellerie kann verbrennen. 1983 verursachte mit dem Pilz Sclerotinia sclerotiorum befallener Sellerie bei elf Erntearbeitern schwere phototoxische Dermatitis.62 1986 wurde bei 30 von 127 Beschäftigten in den Filialen einer Supermarktkette ein blasenbildender Ausschlag gemeldet, darunter bei allen acht Beschäftigten der Obst- und Gemüseabteilung. Der Kontakt mit Sellerie trug das höchste relative Risiko, 6,3, und die krankheitsresistente Qualitätsmarke der Kette hatte höhere Furocumarin-Gehalte als andere Marken. Eine landesweite Stichprobe der Filialen der Kette fand den Ausschlag in 13 von 17 Bundesstaaten und bei 26 Prozent der befragten Beschäftigten der Obst- und Gemüseabteilung, und die Autoren vermuteten, dass die Züchtung krankheitsresistenten Selleries dessen Furocumarin-Gehalt erhöhen könnte.63 Ein Jahr später, in einer Studie aus Oregon, stammten alle 19 Fälle aus einem einzigen Geschäft, das einen Sellerie-Sonderverkauf abgehalten hatte, der die verkaufte Sellerie-Menge vervierfachte.64 Schon der Verzehr von Sellerie kann genügen: Eine 65-jährige Frau wurde in einem Sonnenstudio eine Stunde, nachdem sie eine große Menge Sellerieknolle gegessen hatte, am ganzen Körper schwer verbrannt.65

Silphium

Abb. 1 Silphium auf den Münzen von Kyrene

Die Silphium-Pflanze als Emblem der Münzen Kyrenes, mit ihren paarweise gegenständigen Blütenzweigen. Schematisch.4112

Silphium (griechisch silphion, lateinisch laserpicium, sein Harz laser) wuchs in Kyrenaika: Herodot zufolge reichte „das Land des Silphiums“ von der Insel Platea bis zum Eingang der Syrte.66 Theophrast beschreibt eine dicke Wurzel, einen Stängel wie den des Riesenfenchels, Blätter wie Sellerie, die Schafe reinigten, sie mästeten und ihr Fleisch „wunderbar köstlich“ machten, sowie eine breite, blattähnliche Frucht.11

Monopol und Preis

Die Ernte war reguliert. „Sie haben Vorschriften, wie sie auch beim Bergbau üblich sind, für das Schneiden der Wurzel“, schrieb Theophrast, „nach denen sie die richtige zu schneidende Menge sorgfältig festlegen, unter Berücksichtigung früherer Schnitte und des Bestands der Pflanze. Denn es ist nicht erlaubt, sie falsch zu schneiden oder mehr als die festgesetzte Menge zu schneiden.“ „Bergbau“ beruht auf einer Handschrift; die Aldina liest „Maße“. Die Pflanze ließ sich nicht anbauen: „Sobald das Land urbar gemacht und gezähmt wird, zieht sie sich zurück.“11 Der Handel war ein königliches Monopol der battiadischen Könige von Kyrene und trug erheblich zum Wohlstand der Stadt bei. Libyer sammelten den Saft in der Steppe, und in Kyrene wurde er mit Weizenmehl haltbar gemacht und nach Athen ausgeführt.13 Koerper und Moerman schreiben, der Verkauf zu „Monopolpreisen“ habe den Städten Kyrenaikas erheblich zu Reichtum verholfen.41 Die Könige versuchten, den Handel für sich zu behalten, doch wurde etwas Silphium an die Karthager geschmuggelt.12 Die Ausbeutung ging vermutlich seit der hellenistischen Zeit zurück, und nachdem das Libyen des Ptolemaios Apion 96 v. Chr. an Rom gefallen war, war Rom der alleinige Nutznießer.13

Bald nachdem im sechsten Jahrhundert v. Chr. die Münzprägung eingeführt worden war, erschien die Pflanze mit ihrer Samenkapsel auf den Münzen von Kyrene, Barke, Euesperides und Teuchira;41 in der Chronologie von A. Laronde blieb sie bis zum letzten Viertel des dritten Jahrhunderts v. Chr. das Emblem Kyrenes.13 Koerper und Moerman deuten den übertriebenen Stängel und die hoden- oder herzförmigen Samenkapseln als bewusst sexuelle Werbung; Amigues findet, dass die Frucht bei einem solchen Grad an Stilisierung ihren Wert als botanischer Beleg verliert.4113

Plinius zufolge wurde der Saft gegen Silberdenare aufgewogen, ad pondus argentei denarii repensum, in Bostock und Rileys Übersetzung „zum gleichen Kurs wie Silber verkauft“; ein populärer Artikel auf der Kew-Website macht daraus „sein Gewicht in Gold wert“.1467 93 v. Chr. wurden dreißig Pfund davon für den Staat von Kyrene nach Rom gebracht, und zu Beginn des Bürgerkriegs entnahm Caesar als Diktator 1.500 Pfund davon der Staatskasse, zusammen mit dem Gold und Silber.14 Amigues datiert dies auf 49 v. Chr.13

Verschwinden

Zu Plinius’ Zeit war die Pflanze in Kyrenaika seit vielen Jahren nicht mehr gefunden worden, weil die publicani, die Steuerpächter, die die Weiden gepachtet hatten, es einträglicher fanden, dort Schafe weiden zu lassen. Ein einziger Stängel war innerhalb lebendiger Erinnerung gefunden und dem Kaiser Nero geschickt worden.14 Der einzige Laser, der Rom noch erreichte, war eine minderwertige Sorte aus Persien, Medien oder Armenien, oft verfälscht.14 Amigues identifiziert diesen „medischen Saft“ mit Asafoetida, Ferula assa-foetida,13 zu deren volkstümlichen Namen Teufelsdreck zählt – im Englischen wörtlich „devil’s dung“.68

Andere antike Autoren nannten andere Ursachen. Strabon zufolge wäre die Pflanze einst beinahe verlorengegangen, als Barbaren aus Bosheit versuchten, alle Wurzeln zu zerstören.69 Solinus erzählt von einem Raubzug und dann davon, dass die Einwohner selbst die Pflanzen fast vollständig ausgruben, wegen der unerträglichen Höhe der Steuer, ob intolerandam vectigalis nimietatem; doch Mommsen zeigte, Salmasius folgend, dass seine Passage größtenteils Plinius’ Bericht über Ladanum entlehnt ist.70

Im späten vierten Jahrhundert führte Oribasius „kyrenäischen Saft“ noch immer unter den gewöhnlichen Heilmitteln, obwohl Amigues vermutet, der Name habe zu jener Zeit eher eine Qualitätsstufe als eine Herkunft bezeichnet. Ihr zufolge bewunderte Synesius von Kyrene im Jahr 402 n. Chr. eine Silphium-Pflanze im Garten seines Bruders und schickte 405 „viel Silphium-Saft“ unter kostbaren Geschenken nach Konstantinopel; Chamoux deutete dies als Zeichen, dass sie zu einer seltenen, in Gärten gehaltenen Kuriosität geworden war.13 Der Kew-Artikel dagegen besagt, die Pflanze habe schon im zweiten Jahrhundert v. Chr. als ausgestorben gegolten.67

Moderne Autoren gewichten die Ursachen unterschiedlich. Amigues verwirft sowohl den Raubzug als auch die Steuerpächter: Nach Strabons Angaben umfasste die Silphium-Zone mehr als 19.000 km², zu viel, als dass Nomaden sie hätten roden können, und Plinius’ Berufung auf die Gier der publicani findet sie noch weniger überzeugend. Ihrer Ansicht nach wurden die Wurzeln übernutzt, da die Saftgewinnung die Wurzel tötet, wie bei der Asafoetida-Ernte in Persien, und Pflanzenfresser die oberirdischen Teile fraßen; sie bezweifelt, ob „Aussterben“ das richtige Wort ist.13 Miski macht, neben anderen Faktoren, Übernutzung „aus kurzfristigem Gewinnstreben“ verantwortlich, nennt aber die monokarpische Gewohnheit der Pflanze und ihr äußerst langsames Wachstum als wahrscheinlichen Hauptgrund.12 Appendino schreibt, die historischen Quellen hätten „eine gierige Landbewirtschaftungspolitik“ beschuldigt, wahrscheinlich verschärft durch frühere Übernutzung.15 Der Kew-Artikel fügt römische Übernutzung, Wüstenbildung und die Möglichkeit hinzu, dass Silphium eine sterile Hybride zweier Riesenfenchel-Arten gewesen sei.67

Verwendung und Identität

Silphium wurde als Gewürz und als Heilmittel verwendet: Plinius zählt Laser „zu den kostbarsten Geschenken, die uns die Natur macht“ und führt 39 Heilanwendungen auf.71 Koerper und Moerman geben an, es sei weithin dafür bekannt gewesen, Empfängnisverhütung und Schwangerschaftsabbruch zu fördern. Appendino findet weder dies noch seine Verwendung als Aphrodisiakum durch die Dokumente von vor dem Aussterben belegt: Silphium war im Grunde eine kulinarische Luxusdelikatesse, nur gelegentlich ein Heilmittel, und spätere Hinweise auf Schwangerschaftsabbruch könnten sich auf Asafoetida beziehen, deren Ausgangspflanzen die stark östrogene Verbindung Ferutinin enthalten.4115

Welche Pflanze Silphium war, bleibt ungeklärt. Vorgeschlagene Kandidaten sind Ferula tingitana, F. communis, Thapsia garganica und Cachrys ferulacea.12 Amigues kam zu dem Schluss, dass Margotia gummifera die dem Silphium nächstverwandte lebende Art ist, nicht aber, dass sie Silphium sei, und dass Archäobotanik nötig sei; Appendino findet sie ebenfalls, aufgrund morphologischer Übereinstimmung, als nächste lebende Verwandte, wie es der deutsche Botaniker Link bereits im frühen neunzehnten Jahrhundert vorschlug.1315 Drei Gattungen der Familie, Laserpitium, Laser und Silphiodaucus, tragen die Namen der verlorenen Pflanze.16

Die Ferula-drudeana-Hypothese

2021 schlug Mahmut Miski vor, dass Silphium in Anatolien als Ferula drudeana überlebt. Walter Siehe sammelte sie erstmals 1909 in der Provinz Adana, und Korovin veröffentlichte sie 1947, ohne sie im Feld gesehen zu haben. Miski fand sie 1983 nahe dem Hasan Dağı in Kappadokien, und sie wurde 2004 erneut an Siehes Fundort entdeckt. Ihre kleinen Populationen an drei Orten sind alle mit ehemaligen griechischen Dörfern verbunden, oft in geschützten Enklaven wie steingemauerten Obstgärten.12 Miski verweist auf die seltene gegenständige Anordnung ihrer Blütenzweige, wie auf den Münzen; auf ihre papierartigen, blattähnlichen Halbfrüchte, wie Theophrasts breite Frucht; auf ein angenehm duftendes Gummiharz; und auf Stängel, die nach starkem Frühjahrsregen aufschießen. Er vermutet, Schmuggler hätten den Samen in der Antike nach Anatolien gebracht, räumt aber ein, dass sich die Identität erst bestätigen lasse, wenn die Pflanze mit einer archäologischen Silphium-Probe verglichen werde.12 Spätere Aufsätze aus seiner Gruppe nennen sie „das mutmaßliche anatolische Ökotyp“ des Silphion.7221

Die Archäobotanikerin Erica Rowan, zitiert von National Geographic, fand die Argumentation plausibel. Der Historiker antiker Heilpflanzen Alain Touwaide bezweifelte das Argument, die Pflanze sei griechisch, weil dort einst Griechen gelebt hätten, und hielt es für einen stärkeren Test, ihre Inhaltsstoffe mit den überlieferten Anwendungen des Silphiums abzugleichen.73 Appendinos Übersichtsarbeit spricht von einer „angeblichen Wiederentdeckung in einem abgelegenen Gebiet Anatoliens“.15 Miski selbst hat gewarnt, Veröffentlichungen, die anatolische Ferula-Wurzeln als Aphrodisiakum bewerben, auch gegen erektile Dysfunktion, riskierten deren unkontrollierte kurzfristige kommerzielle Ausbeutung; eine große Population von F. elaeochytris am Kel Dağı (Berg Kasios), berichtete er, sei bereits vernichtet worden.12

Siehe auch

Footnotes

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Dieser Artikel ist eine Übersetzung des englischen Artikels, Version 1789.

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